Die Bedeutung der Ozeane für das menschliche Leben und für die in der Natur ablaufenden Prozesse ist offensichtlich. Die Küstengewässer sind Auffangbecken für die durch menschliche Aktivität erzeugten Abwässer. Es gilt, die Ozeane als natürliche Lebensgrundlage des Wasserplaneten Erde zu erhalten, was ihre Erforschung und Überwachung unabdingbar macht.

Auch wenn unser Himmelskörper als Erde bezeichnet wird, sind etwa 71% der Oberfläche mit Wasser bedeckt und prägen das Gesicht des blauen Planeten in unserem Sonnensystem.

  Volumen [km3] Fläche [km2] max. Tiefe [m] durchschnittliche Tiefe [m]
         
Weltmeere 1.368.000.000 361.000.000 11.034 3.790
         
Pazifik   179.700.000 11.034 4.280
Atlantik   106.600.000 9.219 3.926
Indischer Ozean   74.900.000 7.455 3.960
         
Nordsee   580.000 725 95
Ostsee   420.000 459 55

Ohne die Ozeane als gewaltigen Klimaregulator würden weite Teile der Erde im Winter in tiefsten Frost erstarren und im Sommer vor Hitze verglühen.

 

Das Leben im Meer - ein wertvoller Schatz

Die Erhaltung der Biovielfalt hat hohe Priorität, aber unser Wissen darüber ist eher begrenzt. Niemand kann bis heute zum Beispiel erklären, warum bestimmte Umgebungen eine größere Anzahl von lebenden Organismen tolerieren als andere. Um den Bemühungen zur Bewahrung der Biovielfalt mehr Effizienz zu verleihen, müssen wir den Reichtum an Leben in den verschiedenen Ökosystemen untersuchen und verstehen lernen, wie diese Vielfalt zustande kommt, bewahrt wird oder verloren geht. Die Meeresökosysteme sind, ebenso wie die ökologischen Systeme der Erde, unglaublich kompliziert. Aus diesem Grund konzentrieren sich die meisten Untersuchungen über die Biodiversität unserer Meere auf einen Organismus, der dann als Fallstudie benutzt wird. Diese Projekte erhöhen einerseits unseren Wissensstand über die Biologie der ausgewählten Spezies und entwickeln andererseits Techniken und Strategien, die sich für die Untersuchung anderer Organismen als nützlich erweisen.

Das ausgeklügelte Gleichgewicht zwischen Mikroorganismen

Lebende Organismen eines Ökosystems beziehen Energie aus der Nährstoffkette. Am unteren Ende der Kette stehen die Mikroorganismen, die ihre eigenen Nährstoffe erzeugen: Andere höhere Organismen fressen sie und werden ebenfalls gefressen. Wenn sich also die Bestände von Mikroorganismen in einem Ökosystem aufgrund einer tiefgreifenden Veränderung der Wasserqualität ändern, kann das dazu führen, daß das gesamte Ökosystem gänzlich aus dem Gleichgewicht gerät.

Genau das passiert mit dem Ökosystem eines Meeres, das an Eutrophierung leidet. Unter Eutrophierung versteht man einen Überschuß an Nährstoffen in aquatischen Ökosystemen, der durch menschliche Tätigkeit verursacht wird. Intensiver landwirtschaftlicher Anbau spielt in diesem Zusammenhang zwar eine gewisse Rolle, aber Abwasser- und Schadstoffeinleitungen urbaner Agglomerationen sind die häufigste Ursache für die gefährliche Eutrophierung, wie sie in Küstengewässern auftritt.

Der Gehalt an anorganischen Nährstoffen wie Ammoniak, Nitrat und Phosphat bestimmt die Anzahl der Mikroorganismen, die in jedem aquatischen System leben können. Eutrophe (nährstoffreiche) Gewässer können viel mehr Mikroorganismen tolerieren als oligotrophe (nährstoffarme) Gewässer. Wenn plötzlich große Abwassermengen in gewöhnlich nährstoffarme Gewässer fließen, vermehren sich bestimmte Mikroorganismen explosionsartig, und Cyanbakterien, Bakterien und Algen können zu voller ,Blüte" kommen. Bestimmte Arten kämpfen um Vorherrschaft und können diese auch erlangen, da die Bedingungen sehr stark variieren. Ist die Blüte vorbei, bleiben Unmengen toter Organismen zurück, erhöhen den Nährstoffgehalt des Wassers noch mehr und verschärfen dadurch das Problem.

Das von der EU finanzierte Projekt Chabada befaßt sich damit, wie Eutrophierung in normalerweise nährstoffarmen Gewässern des Mittelmeers Bakterienstämme beeinflußt. Das Projektteam untersuchte eine Probe der im Wasser befindlichen Bakterien, und zwar bevor und nachdem die Auswirkungen einer Nährstoffverschmutzung simuliert worden waren. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden rund 600 Stämme isoliert, und nahezu 60 % davon wurden für weitere Studien in Kulturen angelegt. Unter Einsatz molekularer Techniken konnte das Team nachweisen, daß zwei Bakteriengruppen in eutrophen Gewässern dominant sind, unabhängig vom Grund der Eutrophierung. Spätere Projektphasen werden noch mehr über dieses Phänomen herausfinden.

Ein anderes Projekt, Nutox, untersucht derzeit, wie in den Küstenregionen der Ostsee und des Atlantischen Ozeans ein Ungleichgewicht im Nährstoffgehalt dazu führt, daß gefährliche Phytoplanktonarten dominant werden und Gifte freisetzen, die die normalerweise im Ökosystem vorkommenden Arten gefährden.

Das Geheimnis um die Fortpflanzung der Meeresalgen

Ein anderer wichtiger Produzent in Meeresökosystemen ist die Meeresalge, die an den Küstenufern wächst. Der Mensch nutzt Algen für Nahrungsmittel und andere Produkte wie beispielsweise für Gartendünger und das Geliermittel Agar-Agar, das als Nahrungsmittelzusatz und Verdickungsmittel in dem Gel verwendet wird, das weltweit in Bakterienkulturen von Labors und Krankenhäusern zum Einsatz kommt.

Das Projekt Biogap untersucht drei verschiedene Meeresalgenstämme mit Hilfe von Techniken, die sowohl Ökologie als auch Genetik miteinander vereinen, um mehr über ihre Biologie herauszufinden und zu bewerten, wie gut sie Ernten verkraften. Chris Gliddon von Biogap erklärt: ,Meeresalgen mit ausgeprägtem Fortpflanzungsverhalten wurden ausgewählt, so daß unsere Studien auf möglichst viele Bereiche anwendbar sind." Die eine Art pflanzt sich auf die gleiche Weise fort wie eine einzellige Alge, die andere wie eine höhere Pflanze, und die dritte ist eine Mischung aus beidem; in einem Abschnitt ihres Lebenszyklus sieht sie zwar wie eine Meeresalge aus, erzeugt aber kleine, dem Plankton ähnliche Organismen, die im Wasser treiben, um sich in anderen Küstenregionen niederzulassen.

Das blaue Europa

Seit 1983 gibt es eine gemeinsame europäische Politik für Fischerei und Aquakultur. Die Verwaltung dieses ,blauen Europas", das für unsere Küstenregionen von solch entscheidender Bedeutung ist, macht es allerdings notwendig, daß wir uns mit einer Reihe von Herausforderungen auseinandersetzen.

Die Bewahrung von Fischbeständen bedeutet, Maßnahmen zu ergreifen, um der sehr greifbaren Bedrohung durch Überfischung entgegenzuwirken und gleichzeitig die Auswirkungen der Fischerei auf marine Ökosysteme zu beschränken. Seit Beginn der 90er Jahre hat sich die von der Europäischen Union unterstützte Forschung intensiv darum bemüht, eine solide Grundlage für die Bewirtschaftung der Fischbestände in europäischen Gewässern zu schaffen und die Interdependenzen zwischen ihnen und den Ökosystemen, in denen sie leben, herauszufinden.

Viele Forschungsbemühungen zielten auch auf die Förderung der Aquakultur ab, ein Bereich, der in verschiedenen europäischen Ländern zwar gute Wachstumschancen verspricht, aber zugleich von Faktoren wie Gesundheitsschutz, Umwelt- und Klimabedingungen abhängt. Auf diesem Gebiet muß die Wissenschaft rasch Fortschritte erzielen.

Darüber hinaus befassen sich viele europäische Projekte mit Technologien zur Verbesserung von Qualität und Effizienz der verarbeitenden Industrien für Meeresprodukte - und dies mit Erfolg. Zusätzlich zu den Forschungsarbeiten in den Bereichen Biologie und Technologie unterstützt die Europäische Union eine sozioökonomische Studie über bestimmte Fischereiindustrien, die zu einer Wiederbelebung des Sektors beitragen könnte.

Link : http://europa.eu.int/comm/research/rtdinfsup/de/life.htm

 

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