Antarktis speichert das tauende Eis der Arktis

Neue Theorie erklärt, wo die großen Süßwassermengen bleiben, die an der nördlichen Polarkappe abtauen

von Holger Kroker

Die Gletscher schrumpfen seit Jahren, ohne daß sich ihr Schmelzwasser in den Weltmeeren bemerkbar macht

Die Gletscher schrumpfen seit Jahren, ohne daß sich ihr Schmelzwasser in den Weltmeeren bemerkbar macht
Foto: dpa

Wien - Auf der Erde verschwinden scheinbar gewaltige Mengen Süßwasser spurlos. Die Festlandsgletscher auf allen Kontinenten schrumpfen seit Jahren, ohne daß sich ihr Schmelzwasser in den Weltmeeren bemerkbar macht. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union haben Ozeanographen darauf hingewiesen, daß der größte Teil des in die Ozeane gelangenden Süßwassers vom abschmelzenden Packeis des Nordpols stammt. "Es sieht so aus, als gäbe es das Wasser vom Festland gar nicht", erklärt Peter Wadhams von der Universität Cambridge, "wir müssen jetzt schauen, was mit ihm geschieht."

 

Die Geowissenschaftler vermuten, daß der Eisschild in der Antarktis weiterhin wächst und so das "verschwundene" Süßwasser speichert. Von einem generellen Abschmelzen der südlichen Polarkappe wäre demnach noch nichts zu sehen - im Gegensatz zum Nordpol, der bald eisfrei sein dürfte. "Das ist ein Hinweis, daß sich Nord- und Südhalbkugel im Klimasystem gegenläufig verhalten - zumindest auf mittlere Sicht", erklärt Heinz Miller vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Die Eis-Experten haben für ihren Befund auf den Salzgehalt der Weltmeere geblickt, statt sich, wie unter Klimaforschern üblich, auf die Daten von Tidenmessern zu verlassen. Der Salzgehalt schwindet schon seit Jahrzehnten, weil gewaltige Mengen Süßwasser ins Salzwasser gelangen. Rund 650 Kubikkilometer sind es pro Jahr - zehnmal so viel wie im Bodensee. Regelmäßige Vermessungen des Packeises am Nordpol zeigen jedoch, daß dort das Eis in atemberaubendem Tempo dünner wird: Innerhalb der vergangenen 20 Jahre hat die Eisdicke um ein Fünftel abgenommen. "Wenn es so weitergeht, haben wir 2080 kein Eis mehr am Nordpol", so Wadhams. Schon jetzt könnten Eisbrecher rund ums Jahr zum Nordpol fahren, was früher unmöglich war. Die Menge des Süßwassers in der Arktis haben Wadhams und seine Kollegen mit mindestens 430 Kubikkilometer berechnet. Bleiben also nur rund 220 Kubikkilometer für das Eis auf den Kontinenten, und damit nur gut ein Drittel des von Klimaforschern erwarteten Volumens.

Das ist keineswegs nur ein akademischer Streit, denn mit dem Süßwasserzufluß verbunden ist das Thema Anstieg des Meeresspiegels. Und das ist für viele Inselstaaten oder tiefgelegene Länder wie die Niederlande eine Existenzfrage. Anders als Süßwasser von den Kontinenten trägt schmelzendes Meereis wie auf der nördlichen Polkappe nicht zum Anstieg des Wasserspiegels bei, denn es schwimmt ja bereits im Ozean.

Die Geowissenschaftler um Peter Wadhams kommen daher zu einer weitaus geringeren Rate, als sie von Klimaforschern angegeben wird. Sie schätzen, daß sich im abgelaufenen Jahrhundert der Meeresspiegel um etwa 1,1 Millimeter pro Jahr gehoben hat - Schätzungen des UN-Klimaexpertenrats IPCC gehen von 1,0 bis 2,0 Millimeter aus.

Bleibt nur die Frage, wohin das Süßwasser von den Kontinenten verschwindet. Die Geowissenschaftler tippen auf die Antarktis, die trotz abbrechender Rekordeisberge ihren Eispanzer weiterhin verstärkt. "Wir wissen, daß sich die Front der Eisschelfe im Jahresmittel einen bis 1,5 Kilometer von der Antarktis wegbewegt", betont AWI-Forscher Miller. Und weil das Schelfeis auf dem Meer schwimmt und von den Gezeiten auf und ab bewegt wird, ist es ganz normal, daß immer wieder einmal riesige Eisschollen abbrechen. "Im Gegensatz zu früher sehen wir es heute nur", so Miller.

Eisberge, wie jetzt der gewaltige B-15, die die Größe Liechtensteins erreichen können, kratzen nur marginal an diesen gewaltigen Flächen. Die tatsächlich meßbare Temperaturerhöhung in einem Teil der Antarktis, der Antarktischen Halbinsel, sei bei einem Kontinent, der wesentlich größer als Europa ist, nur eine regionale Erscheinung. "Das hat mit kleinen Veränderungen der ozeanischen Strömungen vor Ort zu tun", so Miller, "im Rest der Antarktis ist das nicht zu beobachten."

Artikel erschienen am Fr, 29. April 2005

QUELLE

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Wassermangel in Afrika:

Politischer Zündstoff für die nächsten 25 Jahre


In den nächsten 25 Jahren werden sich die grundlegenden Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent um das Wasser drehen. Dies geht aus einem Bericht des UN Development Programme <http://www.unep.org/> (UNDP) hervor.


Potentielle Regionen solcher zu erwartender Auseinandersetzungen sind vor allem Gebiete, in denen sich mehrere Länder die Ressourcen eines Flusses oder Sees teilen müssen: z.B. das Gebiet des Nil, des Niger, des Volta oder des Sambesi.

Jeder zweite Afrikaner, so der Bericht <http://www.unep.org/unep/eia/geo2000/>, wird dann in einem Land leben, in dem Wasser knapp ist.
Die Zahl der unter Wassermangel <http://www.wateraid.org.uk/> leidenden afrikanischen Staaten wird sich demnach bis zum Jahr 2025 mit 26 mehr als verdoppelt haben. Der Wassermangel, so Lester Brown vom Worldwatch Institute <http://www.worldwatch.org/>, stellt die größte globale Gefahr für die Nahrungsproduktion dar.

So wird beispielsweise die Lage für die Nil-Region außerordentlich problematisch:

Der Fluß, der durch drei Länder (Äthiopien, Sudan und Ägypten) fließt, ist Lebensquell für derzeit 150 Millionen Menschen. Die Bevölkerung dieser Staaten wird sich bis 2050 jedoch auf 340 Millionen erhöht haben. Der dadurch enorm steigende Wasserbedarf dürfte sich deshalb zu einem zentralen Konfliktstoff entwickeln. Ein weiteres potentielles Krisengebiet im Kampf um das kostbare Nass befindet sich im Süden des Kontinentes, im Bereich Botswana, Namibia und Angola. In Angola entspringt der Cuito, der als Caprivi
durch Namibia fließt und schließlich in das Okavango-Delta Botswanas mündet. Das Gebiet ist seit langem ein internationaler Spannungsherd, der durch die Wasserproble- matik zusätzlich angeheizt werden würde. Ein zusätzliches, großes Problem stellt die zunehmende Umweltbelastung der afrikanischen Süßwasserressourcen und deren inten- sive Nutzung durch die Landwirtschaft dar. Auf diesen Wirtschaftszweig entfallen in Afrika fast 90 Prozent des gesamten Süßwasserbedarfs. Pro Tonne Getreide werden hier 1000
Tonnen Wasser benötigt. Das Worldwatch Institute wies daher auf die dringende Notwen- digkeit von Getreideimporten hin - eine Lösungsvariante, die sich jedoch die wenigsten der zumeist armen Länder leisten können. Die UNO hat bereits vorgeschlagen, ein globales Monitoring der Süßwasserreserven durchzuführen und internationale Vereinbarungen über
deren Nutzung zu treffen.

Olaf Elicki und bbc

 

 

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