Ozeane: Begann das Leben in der „Verlorenen Stadt“?

Der Ursprung des irdischen Lebens könnte in 850 Metern
Tiefe im Meer nahe beim Mittelozeanischen Rücken liegen.
(jkm) - Dort befindet sich „Lost City“, eine Ansammlung von bis
zu 60 Meter hohen Türmen und Spitzen aus schneeweißem
Kalkstein, aus denen heißes Wasser sprudelt. Ein Team
amerikanischer und schweizer Forscher fand jetzt heraus, dass
die Quellen seit mindestens 30.000 Jahren existieren und durch
chemische Reaktionen angetrieben werden. Diese könnten auch
noch mehrere Hunderttausend bis Millionen von Jahren weiter
ablaufen, schreiben sie im Magazin „Science“.

Die „verlorene Stadt“ war vor zwei Jahren zufällig entdeckt
worden. Ihre Schlote unterscheiden sich deutlich von den so
genannten „Black Smokers“, den heißen Quellen am
Meeresgrund, die schon seit Anfang der 70er Jahre bekannt
sind. Diese Schlote werden von untermeerischen Vulkanen
gespeist und stoßen ein 350 Grad Celsius heißes Gemisch aus
Wasser und Gasen aus. Obwohl die Umgebung der Schlote
lebensfeindlich erscheint, fanden Meeresforscher zu ihrer
eigenen Überraschung eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, die
die Außenwände der Smokers besiedeln.

Während „Black Smokers“ in der Regel direkt auf der Achse des
Mittelozeanischen Rücken liegen, befindet sich „Lost City“ auf
einer Breite von 30 Grad N 15 Kilometer versetzt davon. Die
Energie, welche die Wasserzirkulation antreibt, stammt nicht aus
vulkanischer Wärme, sondern geht auf eine chemische Reaktion
zwischen Meerwasser und Peridotit, einem Gestein aus dem
Erdmantel, hervor.

Bei dieser Reaktion wird das Mineral Olivin in Serpentin
umgewandelt, wobei Wärme, Methan und Wasserstoff
freigesetzt werden. Aus dem Meeresboden treten
vergleichsweise milde 40 bis 80 Grad Celsius heiße Fluide aus.
Zusammen mit dem Wasserstoff- und Methanreichtum führt dies
zu regem mikrobiellen Leben.

Viele Forscher nehmen an, dass die Umwandlung von Olivin in
Serpentin auf der frühen Erde häufig vorkam. Dies legt den
Schluss nahe, dass es unzählige warme, nährstoffreiche
Brutstätten wie Lost City auf der gesamten Erdkugel gab. Damit
erweitert sich auch die Anzahl der Nischen, in welchen das
Leben am Meeresboden hätte entstehen können, schreiben
Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich
und der Universität von Washington in „Science“. Das System
könne sich durch die natürlichen Vorgänge in der Erdkruste über
Jahrmillionen hinweg selbst erhalten und so den
Entwicklungsprozess der Lebewesen sichern.

Quelle: vista verde 2003

 

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