http://www.abendblatt.de/daten/2003/06/14/176435.html

 

 

Buckelwal


Kein anderer singt so schön wie er. Seine Lieder bestehen aus vielen Strophen und werden jedes Jahr leicht abgeändert. In jedem Seegebiet singen die über die gesamten Ozeane verbreiteten Wale einen anderen Hit. Ihre Gesänge gibt es sogar auf CD zu kaufen. Der Walfang hat die bis zu 14 Meter langen Tiere von geschätzten 150 000 Exemplaren auf etwa ein Fünftel dezimiert.

 

Blauwal


Er ist nicht nur der größte Wal, sondern auch das größte Tier auf Erden (inklusive der Dinosaurier). Er misst durchschnittlich 26 Meter und wird bis zu 120 Tonnen schwer. Bevor Blauwale von Dampfschiffen aus gejagt wurden (etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts), durchkreuzten wahrscheinlich mehr als eine Viertel Million Exemplare die Ozeane. Allein in der Fangsaison 1930/31 wurden 30 000 Tiere getötet. Heute wird der weltweite Bestand auf nicht einmal 10 000 Blauwale geschätzt.

 

Zwergwal


Der Zwerg- oder Minkwal ist die einzige Walart, die kommerziell bejagt wird (von Norwegen). Die zehn Meter langen, bis zu zehn Tonnen schweren Tiere sind weltweit verbreitet, bevorzugen aber kältere Gewässer. Im Nordostatlantik werden bis zu 120 000 Zwergwale vermutet, im Nordpazifik deutlich weniger. Die weltweiten Bestände gelten als nicht gefährdet.

 

Nordkaper


Weil er der langsamste Wal ist, geriet er auch als Erster ins Visier der Walfänger. Englisch heißt er "Right Wale" - der richtige Wal (zum Fangen). Denn er ist behäbig, ergibt eine hohe Ausbeute an Öl und schwimmt im toten Zustand auf. Der Nordkaper wird bis zu 17 Meter lang und maximal 80 Tonnen schwer.

 

Grauwal


Mit bis zu 14 Meter Länge erreicht er ein Gewicht von bis zu 35 Tonnen. Jedes Jahr unternehmen die Wale bis zu 20 000 Kilometer lange Wanderungen. Sie ziehen von ihren Nahrungsgründen im Nordpazifik in großen Gruppen in die Lagunen der mexikanischen Baja California. Nachdem die Bestände durch den Walfang stark eingebrochen waren, haben sie sich erholt und gelten heute als stabil.

 

Pottwal


Mit bis zu 18 Meter Länge ist er der Größte unter den Zahnwalen, von denen es etwa 70 Arten gibt. Er kann eineinhalb Stunden und bis zu 3000 Meter tief tauchen. Dort jagt er unter anderem Riesentintenfische, die fast so lang sein können wie er selbst. Auf ihren Wanderungen geraten manchmal einzelne Tiere versehentlich in die flache Nordsee, verlieren die Orientierung und stranden.

 

Schweinswal


Die einzige Walart, die in deutschen Gewässern ihre Jungen zur Welt bringt. Der Nachwuchs kommt im Juni und kann mit etwas Glück, zusammen mit den Walkühen, vor der Sylter Westküste beobachtet werden. Schweinswale halten sich in Küstennähe auf. Sie sind relativ unauffällig und erreichen nur die sehr menschliche Körpergröße von etwa 1,70 Meter (Gewicht bis 60 Kilogramm).

 

Wer will was in der Walfangkommission?


Die Internationale Walfangkommission (IWC) wurde 1946 ins Leben gerufen, um die Walbestände zur wirtschaftlichen Nutzung zu erhalten und die Entwicklung der Walfangindustrie zu fördern. Unter den 14 Gründerstaaten befanden sich die damals großen Walfangnationen wie die USA, die UdSSR, die Niederlande und Großbritannien. Im Laufe der Zeit wandelten sich die Ziele der IWC. Zunehmend rückte der Artenschutz in den Vordergrund. Neue Mitgliedsländer traten der IWC bei und kämpften für das Überleben der Wale. 1972 stand erstmals ein Moratorium für den kommerziellen Walfang zur Debatte, das heißt, die Fangquoten sollten auf null gesetzt werden. Erst zehn Jahre später fiel diese Entscheidung, 1986 trat das Moratorium in Kraft. Parallel dazu sollten verbesserte Strategien zum Management des weltweiten Walfangs entwickelt werden - bisher ohne Erfolg.

Heute umfasst die IWC 49 Mitgliedsstaaten. Japan, Norwegen, Island, China und Russland zählen zu den Verfechtern des Walfangs. Ihnen gegenüber steht die Mehrheit der europäischen und südamerikanischen Länder sowie die USA. Mehrere kleine pazifische Inselstaaten, wie zum Beispiel die Salomon-Inseln, erhalten von Japan großzügige finanzielle Unterstützung. Im Gegenzug stimmen sie bei der IWC im Sinne japanischer Interessen.

Bisher hat die IWC zwei große Walschutzgebiete eingerichtet: 1979 das Schutzgebiet Indischer Ozean und 1994 ein Gebiet im Südpolarmeer. Zwei weitere Regionen werden seit 1998 alljährlich vorgeschlagen, fanden aber noch keine Mehrheit. (hppr)

 

 

Die Qual der Wale


Rettungsversuch: Jahr für Jahr sterben 300 000 Wale und Delfine. In Berlin beraten internationale Experten über neue Schutzmaßnahmen - mit Aussicht auf Erfolg.

Von Angelika Hillmer

Hamburg - Schnurstracks und lautlos gleitet ein Grauwal auf das Motorboot zu. Mit einem Schlag könnte der 30-Tonnen-Koloss das Boot zertrümmern, in dem ein gutes Dutzend Touristen die K´ameras schussbereit hält. Ein paar Meter noch - dann stoppt der Riese ab. Er hebt seine drei Meter lange Stirn aus dem Wasser und kommt mit kindlicher Neugier vorsichtig an die Reling heran. Hände tätscheln - manche hektisch, andere zögerlich - den mit Seepocken besetzten Kopf. Die Haut ist weich wie ein Pferdemaul.

Wer je einen solchen Augenblick erlebte, wird ihn nie vergessen. Wie Antoine F. Goetschel, Geschäftsführer der Stiftung für das Tier im Recht, der unlängst in einem Essay mit dem Titel "Die Würde des Wals" notierte: ". . . aufgewühlt durch den warmen, würdigen Blick eines Tieres in meine Richtung - oder gar auf mich? Aufgewühlt nach der Begegnung mit dem Wal, dem Delfin, die mir so nahe ging."

Mensch und Wal: Ihre Begegnung ist eines der letzten Abenteuer auf diesem Planeten, und das nicht erst, seit der Schwertwal "Keiko" in "Free Willy" zum Filmstar wurde.

Mensch und Wal: Leider verläuft ihr Zusammentreffen nicht immer so friedlich wie jenes in der mexikanischen Baja California. Im Gegenteil: Jedes Jahr sterben mehr als 300 000 Wale und Delfine - direkt oder indirekt durch Menschenhand. Unzählige Male haben Umweltschützer und Regierungen diskutiert und verhandelt, wie man diesem Elend ein Ende setzen kann: ohne nennenswerten Erfolg. Von Montag an werden sie es in Berlin wieder versuchen; dann tagt die Internationale Walfangkommission (IWC), erstmals in Deutschland.

Obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 verboten ist, setzen einige Länder die Jagd auf Großwale fort. Die japanische Fangflotte tötete iIn der vergangenen Saison 590 Zwerg-, 50 Sei-, 50 Bryde- und zehn Pottwale - ihr Fleisch ist in Japan eine Delikatesse. Norwegische Jäger brachten zuletzt 643 Zwergwale zur Strecke. Unter den Küstenbewohnern gilt der Walfang als wichtige Tradition. Außerdem pocht das Land auf seine Souveränität und will selbst entscheiden, welcher Norweger wann auf Jagd gehen darf. Dasselbe gilt für Island. Der Inselstaat will nach zwölf Jahren Abstinenz die Jagd wieder aufnehmen und hat sich den Abschuss von 100 Zwerg-, 100 Finn- und 50 Seiwalen genehmigt - begründet mit wissenschaftlichem Interesse.

Am häufigsten gerät der bis zu zehn Meter lange Zwerg- oder Minkwal ins Visier der Harpuniers. Er gehört - trotz seines Namens - zu den Großwalen. Auch der Finn- und der Seiwal sind so stark gefährdet, dass Walschützer eine Bejagung für unverantwortlich halten.

Doch selbst die sind sich nicht einig. Die einen fürchten, dass selbst ein sehr restriktives Zulassen von kommerziellem Walfang dem Schwarzhandel Tür und Tor öffne und lehnen ihn deshalb grundsätzlich ab. Andere könnten sich eine kontrollierte Nutzung der Walbestände vorstellen, damit die jetzige Situation, in der der kommerzielle Fang zwar verboten ist, einzelne Länder aber juristische Hintertüren nutzen, ein Ende hat. "Seit Beginn des Fangmoratoriums im Jahr 1986 wurden 24 000 Wale getötet. Dieser chaotische Zustand muss schleunigst beendet werden", sagt Volker Homes vom World Wide Fund for Nature (WWF).

Mehr noch als die gezielte Jagd bedrohen andere Gefahren die Wale. An erster Stelle steht der Beifang. Vor allem die kleineren Arten verheddern sich häufig in Fischereinetzen und ertrinken jämmerlich (als Säugetiere müssen sie regelmäßig zum Luftholen an die Oberfläche). Laut WWF sind es bis zu 300 000 jährlich. Allein vor der Haustür Deutschlands, in der Nord- und Ostsee, verenden 7500 Schweinswale pro Jahr, zumeist in den Stellnetzen dänischer Kabeljaufischer.

Die zunehmende Vergiftung der Meere macht vor allem jenen Arten zu schaffen, die sich von Fischen ernähren (Zahnwale). Einige Arten nehmen mit ihrer Nahrung Schadstoffe in so hohen Konzentration auf, dass sie krank werden. So haben die weißen Beluga-Wale des kanadischen St. Lorenz-Stroms die höchste Krebsrate aller Säugetiere.

Auch der zunehmende Unterwasserlärm durch Schallsignale von Schiffen oder durch Offshore-Industrieanlagen setzt den Zahnwalen besonders zu. Denn sie jagen ihre Beute mit Schall und sind darauf angewiesen, dass die Echos der ausgesendeten Klicklaute nicht in einem Meer von Misstönen untergehen. Starke militärische Sonare können das Walgehör sogar vollständig zerstören. Betroffene Tiere verlieren die Orientierung und sterben.

Wenngleich von der Berliner IWC-Konferenz nicht unbedingt Fortschritte in Sachen Walfang zu erwarten sind, so könnte sie beim Walschutz zum Meilenstein werden: Ganz oben auf der Tagesordnung steht eine Resolution, die "Berliner Initiative". Ihr Ziel: Die Gründung eines Komitees, das sich der Umweltgefahren annehmen soll, um vor allem den Beifang zu bekämpfen. Mexiko stellt den Antrag, 18 Staaten, darunter Deutschland, unterstützen ihn.

Gerade in Mexiko errangen Walfreunde bereits einen großen Sieg: Sie verhinderten Ende der 90er-Jahre den Bau einer Salzgewinnungsanlage in der Bucht von San Ignacio. Es ist die größte Kinderstube der ostpazifischen Grauwale. Dort kam einst auch jener Koloss zur Welt, der sich so freundlich von den Touristen streicheln lässt (siehe oben).

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erschienen am 14. Jun 2003 in Aus aller Welt

 

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