Algen produzieren Nervengift

05. Apr 2005 12:47

Foto: PNAS

In überdüngten Gewässern kommt es häufig zu Algenblüten. Beteiligte Blaualgen könnten beim Menschen Nervenleiden auslösen.

 

Blaualgen produzieren ein Toxin, das beim Menschen wahrscheinlich Nervenkrankheiten verursachen kann. Forscher haben nachgewiesen, dass die meisten Gattungen der weit verbreiteten Mikroben das Gift frei setzen. Die Zunahme von Algenblüten gefährdet demnach die Gesundheit von Menschen in den betroffenen Gebieten.

Verbreitete Giftmischer

Das Volk der Chamorro auf der westpazifischen Insel Guam leidet besonders häufig an der so genannten Amyotrophischen Lateralsklerose (ALS). Dabei sterben motorische Nervenzellen ab. Die Krankheit tritt bei ihnen gepaart mit Symptomen der Parkinsonschen Krankheit und Demenz auf. Ursache könnten Blaualgen im Meer sein, die eine giftige Aminosäure produzieren. Das Beta-Methylamino-Alanin (BMAA) wurde auch bereits im Gehirn von Alzheimer-Kranken in Kanada nachgewiesen.

Ein Forscherteam um Paul Cox vom National Tropical Botanical Garden in Kalaheo auf Hawaii hat untersucht, welche Blaualgen das Neurotoxin BMAA produzieren. Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten, können alle fünf Hauptgruppen der Blaualgen das Gift frei setzen. Insgesamt untersuchten die Forscher Blaualgen aus 30 Gattungen. 95 Prozent der in unterschiedlichen Lebensräumen gesammelten Proben enthielten das Gift, berichten sie. Dies sei der erste Nachweis, dass nicht verwandte Arten das gleiche Toxin produzierten.

Blaualgen werden heute nicht mehr den Algen zugerechnet und daher als Cyanobakterien bezeichnet. Die Mikroben gehören zu den ältesten und weitest verbreiteten auf der Erde. Durch die globale Erwärmung und die Überdüngung von Gewässern kommt es heute häufiger zu explosionsartigen Vermehrungen der Organismen in Gewässern − so genannten Algenblüten. Die Autoren um Cox fordern daher, die gesundheitlichen Auswirkungen von Neurotoxinen wie BMAA weiter zu erforschen und zu überwachen. (nz)

Algenblüte im Indischen Ozean vor Tasmanien. Der Algenteppich erstreckt sich über mehrere Hundert Quadratkilometer.

Foto: SeaWiFS, Nasa GSFC, Orbimage

 

 

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