Mit Hollywood kam das Verderben

Seit der Weiße Hai durch den gleichnamigen Hollywood-Schocker berühmt-berüchtigt wurde, zittert die Welt vor ihm. Hemmungslos gejagt wurde er jedoch schon früher. Auch seine harmloseren Verwandten sind ernsthaft gefährdet.

Beim Weißen Hai ist die Tötungsrate durch den Menschen seit dem Jahre 1991 um das Zwanzigfache gestiegen. Grund: vor allem die direkte Fischerei, auch für Haitrophäen und Beifänge. Die Jagd nach der vermeintlichen Bestie ist lukrativ: Ein Kieferskelett mit den eindrucksvollen Zähnen bringt bei Liebhabern bis zu 20.000 Mark.

Doch die Geschichten von dem vermeintlich willkürlich Menschen tötenden Monster sind tatsächlich nur eine Mär. In Wirklichkeit gab es in den vergangenen hundert Jahren auf der ganzen Welt nur 74 Todesfälle.

Haie zählen zu den ältesten Wirbeltieren. Sie existieren schon seit 400 Millionen Jahren in den Weltmeeren. Weniger ist über die Anzahl der Haiarten bekannt: Angaben von Meeresforschern liegen zwischen 250 und fast 500 Arten. Klar ist, das nur einige wenige für den Menschen gefährlich sind: Neben dem Weißen Hai sind dies zum Beispiel der Tigerhai oder der Gemeine Grundhai.

Weil Haie sich nur in geringem Maße fortpflanzen, hat ein massiver Fischfang für sie besonders dramatische Konsequenzen. Schon das Abfischen von drei bis fünf Prozent der erwachsenen Tiere kann eine Population gefährden.

Die Bestände zum Beispiel von Tigerhai, Riesenhai, Walhai oder Dornhai haben in den letzten zwei Jahrzehnten je nach Art um 60 bis 80 Prozent abgenommen. Über sechzig Haiarten wurden auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten gesetzt.

Wegen seiner Rücken- und Schwanzflossen ist der Hai besonders in Asien als Delikatesse begehrt. Sie werden mit dem Messer vom Leib des oft nur halbtoten Tieres abgetrennt - anschließend wird das stark blutende Tier wieder ins Meer zurückgeworfen - und versinkt hilflos in der Tiefe. Oder man lässt den Hai am Strand vergammeln - denn das Fleisch ist meist unbeliebt.

Alwin Schröder

SPIEGEL ONLINE - 23. August 2001, 2:07
URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,144195,00.html

 

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